Südostlich von Wien findet man im Gemeindegebiet Muggendorf, Niederösterreich, die sogenannten Myrafälle. Die Myra selbst entspringt am Fuße des Unterberges aus der Myralucke, einer Quelle, die vom Grundwasser dieses Berges gespeist wird. Nein, gemeint ist nicht „unser“ Untersberg bei Salzburg; doch auch der Unterberg bei Muggendorf ist ebenso sagenumwoben.

Im Mai 2024 war ich rund um die Myrafälle wandern. Da ich nie ohne mein „Detektiv-Auge“ unterwegs bin, betrachte ich selbstverständlich in den Gegenden der sogenannten Naturdenkmäler vor allem die dort vorkommenden Steine sehr genau. So auch hier.
Oberhalb der Myrafälle, im Wald knapp unter der Bundesstraße L4008, wo sich einige Wanderwege kreuzen, fiel mir ein Felsbrocken neben dem Waldweg besonders ins Auge. Die Seite des Felsens, die zum Weg zeigt, war nicht sehr auffällig, die dem Weg abgewandte jedoch sehr. Bei näherem Betrachten erkannte ich deutliche, sichtlich uralte Ritzungen, sogenannte Petroglyphen. Am linken Rand des Steins eine Gestalt, die ein Kleid zu tragen scheint und die ihre Arme horizontal nach links und rechts ausstreckt. Mit etwas Fantasie erinnerte mich diese an die kleinen Engel, wie sie Kinder schlicht skizzieren, oder an solche, wie man sie aus Stroh an den Weihnachtsbaum hängt. Rechts neben der Gestalt sah ich eine kreisförmige Darstellung, die an ein Rad mit Speichen erinnert, Kreise, die durch Linien, wie eine Torte, in Stücke unterteilt waren, wobei die Linien über den äußeren Rand der Kreise hinausragen. Unter den beiden Darstellungen eine Linie, die dem Anschein nach einen festen Untergrund darstellen soll, wobei die Figur auf dem Boden steht, der „Linien-Kreis“ jedoch über dem Boden schwebt.





Spontan erinnerten mich diese Petroglyphen an eine Person, die neben einer Sonnen- oder Sterndarstellung steht. Dafür wären aber die zusätzlichen Linien, die sich kreuzen, innerhalb der Kreise nicht notwendig gewesen und es hätte auch nicht mehr als einen Kreis gebraucht. Je länger ich darüber nachdachte und versuchte, vergleichbare Darstellungen zu finden, desto mehr erinnerte mich diese runde Darstellung an Mandalas oder Kirchen-Fensterrosen. Auch die Ähnlichkeit zu einer Kompass-Darstellung möchte ich nicht unerwähnt lassen. Diese haben üblicherweise nämlich genau zwei Kreise: auf dem inneren Kreis sind die Grade abzulesen, auf dem äußeren Kreis die Himmelsrichtungen. Bei einer einfachen Raddarstellung wäre fraglich, warum man Speichen über den äußeren Rand hinaus darstellen sollte.
Helfen uralte Sagen und Mythen weiter bei der Deutung und Geschichte dieser Petroglyphen?
Die wohl bekannteste Sage ist die der „Schönen Myra“. Sie, die ehemalige Bauerstochter Maria/Mira/Mirl, habe einst zu einem Bild der Heiligen Maria, das an einem Baum hing, gesagt: „Du bist wohl schön, heilige Maria, aber noch lange nicht so schön wie ich.“ Daraufhin sei sie von einem heftigen Sturmwind Richtung Unterberg davongetragen worden. Dort öffnete sich ein Fels und verschlang Mira. Man sagt, an stillen Abenden könne man ihr bitterliches Weinen hören. Ihre Tränen fließen bei der Myralucke heraus und bilden den Mirabach und die Myra-Fälle in Muggendorf.
Weitere Sagen handeln von Seemännchen im Mirasee, von Riesen, Zwergen und Lindwürmern im Unterberg. Ein Grund, sich das Fleckchen Erde mal genauer anzusehen.
Ich hatte erhofft, Hinweise in den Sagen zu finden, durch die ich einen eventuellen Zusammenhang zu dem, was ich oberhalb der Myrafälle im Wald entdeckte, erklären könnte – jedoch leider vergebens. Bei der Universität Wien, Abteilung für prähistorische und historische Archäologie, bin ich leider auf „taube Ohren“ gestoßen, weil man dort über keine Spezialisten für Petroglyphen verfügt.

Im Frühjahr 2025 erschien mein Artikel „Petroglyphen bei den Myrafällen“ im Fach-Magazin „Sagenhafte Zeiten“ – das Magazin der A.A.S., Forschungsgesellschaft für Archäologie, Astronautik und SETI (https://www.sagenhaftezeiten.com / Facebook / Instagram / WhatsApp) – zugrundeliegende Theorie der Präastronautik von und mit Mitbegründer Erich von Däniken.
Dies nutzte ich auch zum Anlass, einen Aufruf zu starten: wenn jemand vergleichbare Funde aufzuweisen oder Ideen zu weiterer Forschung hat, wendet Euch gerne an mich.

Petroglyphen sind eine spannende Sache und man entdeckt sie anscheinend an viel mehr Orten – auch in Österreich – als gedacht – also haltet eure Augen und Ohren und Herzen ❤ 🙂 für alles (auch Neues) offen.
Bis zur nächsten Entdeckung, alles Liebe, Nici Mayer
Quellen:
https://muggendorf.gv.at/document-category/sagen/

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